Ist eigentlich nicht Thema meines Blogs, aber es hilft sich zu sortieren.
Also, mir ist es schon aufgestossen, als damals die Meldung von den teuren Tortillas in Mexiko kam. Da hatten die Amis den ganzen Mais aufgekauft um Bio-Treibstoff zu gewinnen. Das hat dann die Preise für Mais und in der Folge auch für das mexikanische Grundnahrungsmittel Tortilla in die Höhe getrieben. Die Menschen dort haben (erfolglos) demonstriert.
Seit Mittwoch haben sich bei uns die Preise für Milchprodukte verteuert. Grund: China säuft uns die Milch weg. Auch die Schweinefleichindustrie und die Grossbäckereien kündigen wegen hoher Rohstoffkosten Preiserhöhungen an.
Abgesehen davon, dass das in meinen Augen reine Bereicherungskampagnen sind (bei 16 Cent Getreidekosten auf 2,50 EUR pro 750 g Brot fragt man sich schon, was das mit den Rohstoffen soll) stellt sich mir eine ganz andere Frage:
Muss der Staat hier nicht seine Bürger schützen?
Stichwort soziale Marktwirtschaft. was dabei herauskommt, wenn man alles der Selbstregulierung des (globalen) Marktes überlässt, sieht man ja jetzt. Auch wenn Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Ländern recht günstige Lebensmittelpreise hat: mich interessiert weder, ob in China ein Sack Reis platzt, noch ob die Milch von hier importieren wollen.
Ich will stabile und verlässliche Preise, wenn sich die Gehälter schon nicht so entwickeln wie sie sollten. Klar, das bedeutet Subventionen und die wollen finanziert werden. Gerne auch durch Steuern (wenn auch der Staat genug Optimierungspotential hat) zum Wohle der Allgemeinheit.
Meinetwegen bezeichnet das als reaktionär, altsozialistisch und Alimentationsmentalität – so bin ich

Aber wozu bitte gibt es denn den Staat? Jaja, Staatsrechtsvorlesung erste Stunde: “Der Staat schützt seine Bürger.” Schön. Das “Wovor” wurde seinerzeit (zu Zeiten als Globalisierung noch ein Fremdwort war) als “Gefahr und Bedrohung” bezeichnet.
Ok, also hat der Staat seine Bürger vor den bösen Nachbarn mit dem Militär und vor dem bösen Nachbarn mit der Polizei zu schützen. Für das Feuer ist die Feuerwehr zuständig.
Und was ist mit der Grundversorgung? Ich finde, der Staat muss auch auf Grundnahrungsmittelpreise regulierend einwirken. Nicht nur auf Stromprese (pseudo!) und Telefontarife.
In diesem Sinne: erstmal ein Glas Milch trinken!






Also jetzt mal ganz langsam, ich war heute Milch und Butter kaufen – es war teurer, aber ich musst nicht zwei oder drei Mal überlegen, ob ich es mir leisten kann. Der Getreidekostenanstieg in Mexiko ist für die Mexikaner durchaus ein Problem, aber in einem Land wie Deutschland, in dem 11 bis 12 % des Einkommens für Nahrungsmittel ausgegeben werden, müssen wir uns auch nicht bei den jetzt angekündigten Brotpreissteigerungen Gedanken machen, ob bald eine neue Marie Antoinette vor hungernde Massen tritt und ihnen rät doch Kuchen zu essen, wenn sie sich Brot nicht leisten können. (Historisch korrekt sei angemerkt, dass hat sie in Wahrheit nie gesagt, sondern wurde ihr angedichtet.)
Das mit den steigenden Preisen bei nicht steigenden Gehältern ist meiner Ansicht übrigens doppelt falsch. Zum einen, steigen die Preise damit die Gehälter der Landwirte steigen können. Zum anderen waren die Preise über Jahre stabil, während die Gehälter durchaus im gleichen Zeitraum gestiegen sind – wenn auch recht bescheiden.
Ne, is klar… ich back zwar schon seit Jahren mein Brot selber, aber ich muss deswegen nicht auf den Cent gucken. Die Preissteigerungen machen den Kohl nicht fett – mir gehts um den Globalisierungsgedanken und die Daseinsvorsorge des Staates.
Und ich wette, dass beim Landwirt nix bis gar nix ankommt – da stecken zu viele Zwischenstationen drin.
Und was das Verhältnis der Preisniveaus Mexikos zu unserem betrifft: völlig korrekt. Aber wehret den Anfängen!
Na ja, ich sehe die Aufgabe des Staates eher daran die Landwirte notfalls zu fördern, wenn sie von ihrer Arbeit nicht mehr leben können. Allein um das Land nicht von Lebensmittelimporten abhängig zu machen. (Abgesehen davon sieht es im Augenblick ja so aus, als würden die Preissteigerungen tatsächlich auch bei den Landwirten ankommen und nicht im Handel stecken bleiben.) Ein Preisniveau das ein Eingreifen des Staates notwendig macht dürfte bei uns kaum noch zustande kommen, es sei denn durch Missernten oder andere Katastrophen.
Ich persönlich habe inzwischen ein gewisses Misstrauen gegen Wehret den Anfängen-Rufen. Die müssen meiner Meinung nach auch wohlgewählt sein und nicht einfach so bei falschen Anlässen in die Landschaft gerufen werden. Mit diesen Warnungen ist es wie mit dem Jungen der dauernd vor dem Wolf gewarnt hat, als der Wolf dann mal wirklich kam, hat ihm keiner mehr geglaubt.